Philosophieren als Kulturtechnik

Der Ansatz mit Menschen – jung wie alt – gemeinsam zu philosophieren ist so radikal wie banal. Mündigkeit setzt die Fähigkeit voraus, sich seines eigenen Verstandes bedienen zu können. In einer Zeit, die von Fake News, Datenflut und Manipulation geprägt ist, ist es umso wichtiger in Kindern so früh wie möglich einen wachen Verstand und eine kritische Wahrnehmung zu fördern und dies auch bei Erwachsenen lebendig zu halten.

Das Philosophieren hat dabei den Vorteil, dass es ein Bildungsprogramm im eigentlichen Sinne des Wortes ist.Der Begriff Bildung kommt vom althochdeutschen bildunga, was so viel wie Vorstellung, Vorstellungskraft bedeutet. Wenn wir gemeinsam philosophieren untersuchen wir das Wesen von Begriffen und bringen diese Erkenntnisse in Beziehung zu unseren Erfahrungen. Dadurch entstehen lebendige Bilder, eben Vorstellungen, die unser Handeln leiten können und uns damit in einem Selbstbildungsprozess begleiten. Philosophieren wir etwa über Verantwortung, Gerechtigkeit oder den Sinn des Lebens, entsteht dabei eine innere Klarheit darüber, was wir in diesen Bereichen erleben und in welche Richtung wir uns entwickeln müssten, um einem verantwortungsvollen Lebensstil, einem gerechten Handeln oder dem eigenen Lebenssinn näher zu kommen. Das Philosophieren als Kulturtechnik der Sinn und Wesenssuche erzeugt also weniger Fachwissen, als vielmehr Orientierungswissen für das eigene Leben und die Gesellschaft.

Ist es noch Philosophie, wenn Kinder und Laien es tun?

Philosophie wird heutzutage meist als eine universitäre  Disziplin verstanden, die denen vorbehalten ist, die versiert sind im Umgang mit Fachbegriffen und vertraut mit den Debatten aus der Philosophiegeschichte. Dieser elitäre Zugang zur ältesten Wissenschaft der Menschheit verschleiert, dass philosophische Themen nicht zwingend abstrakte, lebensferne Themen sein müssen. Im Gegenteil: Jede philosophische Teildisziplin beinhaltet Fragen, die uns auch im Alltag bewegen und Grundlage wichtiger Lebens- / Gesellschaftsentscheidungen sind. Hier ein paar Beispiele:

  • Anthropologie: Ist der Mensch Teil der Natur? Ist der Mensch seinem Wesen nach gut/böse? Etc.
  • Erkenntnistheorie: Woher wissen wir, was wahr ist? Was ist Wahrheit? Etc.
  • Ethik: Sollte man immer ehrlich sein? Darf man Tiere töten, auch wenn man es nicht muss? Etc.

Kein Mensch kann ein erfülltes Leben führen, wenn er sich nicht den philosophischen Fragen des Lebens widmet (Identität, Sinn des Lebens, Tod, Gemeinschaft, Werte, etc.), denn auch bereits bestehenden Antworten müssen von jedem Einzelnen neu mit Erkenntnis und mit Leben gefüllt werden. Die dafür notwendigen Werkzeuge sind Kindern und Laien ebenso zugänglich wie akademisch gebildeten Experten. In der Tat unterscheidet sich ernsthafte “Lebensphilosophie” und Philosophie als akademischer Diskurs vor allem durch das Maß an Lebendigkeit und das zu Verfügung stehende Material: Während bei einem philosophischen Gespräch mit Kindern und Laien vor allem der gemeinsame Erfahrungshorizont als Material zählt, bauen die Akademiker auf historisch etablierte Fragestellungen und Argumentationen. In beiden Fällen spielt die Phantasie eine große Rolle, vor allem, wenn es darum geht Argumente mittels Gedankenexperimente “durch alle logischen Welten hindurch” zu testen. Während die Lebensphilosophen aus Mangel an historischer Vorarbeit wahrscheinlich nicht die gleiche Kleinteiligkeit und Stringenz erreichen werden, die der akademische Diskurs (zum Teil) aufweist, werden sie aber im Gegenzug ihre Konzepte mit mehr Leben und Praxisrelevanz füllen können. Der alte Vorwurf des “Philosophierens im Elfenbeinturm” macht deutlich, dass Akademiker allzu oft mit ihrem Kopf in den Wolken stecken bleiben und die Philosophie damit ihrer praktischen Relevanz berauben. In meinem Verständnis bedingen sich beide Ansätze. Sie gleichen sich in ihren Werkzeugen und ihrer Struktur, aber legen einen anderen Schwerpunkt. Sowohl “Lebensphilosophie” als auch “akademische Philosophie” sind Philosophie. Ersteres läuft allerdings zuweilen Gefahr zum Kaffeeklatsch zu werden, letzteres läuft dagegen Gefahr, sich als “geistige Masturbation” in unsinnigen Fachsimpeleien zu verlieren.

Kinder sind vielleicht die natürlichste Zielgruppe für das Philosophieren, tragen sie doch noch ein ungetrübtes Staunen über die Welt in sich, von dem aus das Philosophieren beinahe schon automatisch ergibt, solange es nicht von Erwachsenen durch vorschnelle und besserwisserische Antworten zunichte gemacht wird. Ihnen früh einen Zugang zur Philosophie zu eröffnen, ohne sie dabei mit Antworten aus der Philosophiegeschichte zu erschlagen und damit aus einem Forschungsabenteuer ein Lernfach zu machen, halte ich für eine wichtige und verantwortungsvolle Bildungsaufgabe. Menschen, die gelernt haben, sich ihres Verstandes zu bedienen, richtig und falsch abzuwägen, die sich selbst und die Welt kritisch hinterfragen, werden auch in einem zunehmend “verwilderten” 21. Jahrhundert einen konstruktiven Beitrag leisten können. An den Antworten der “Profi-Philosophen” der Geschichte können sie sich auch noch dann messen, wenn sie gelernt haben, auch etablierte Autoritäten an ihren Argumenten zu messen und nicht an ihrem Renommée.

Philosophieren als Gesprächstechnik erlernen

Im Zentrum des philosophischen Gespräches steht eine gemeinsame philosophische Frage, die in einem gemeinschaftlichen, ergebnissoffenen Prozess untersucht und erforscht wird. Ich bin seit 2009 Trainer und Referent für das Philosophieren als Gesprächstechnik, vor allem in Zusammenarbeit mit der Akademie Kinder philosophieren / Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog. Seit die Akademie Kinder philosophieren 2005 mit ersten Gesprächsansätzen begann Pädagogen fortzubilden, ist viel passiert. Inzwischen wird in Kindertagesstätten, Schulen, aber auch in Altersheimen, Universitäten, Krankenhäusern, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und vielen weiteren Orten nach diesem Ansatz philosophiert. Insofern ist es nur folgerichtig, dass sie 2018 ihren Namen änderte in Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog.

Als Trainer der Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog vermittle ich philosophische Gesprächstechniken und Hintergründe in qualifizierenden Zusatzausbildung. Die Zusatzausbildung in philosophischer Gesprächsführung ist eine anerkannte Fortbildung für Erzieherinnen und Erzieher in Bayern. In mehreren Bundesländern (z.B. Bayern, Hessen, Baden-Württemberg) wird sie offiziell als die staatliche Lehrerfortbildung ergänzende Maßnahme anerkannt. Auf Anfrage richte ich Inhouse Schulungen direkt in ihrer Einrichtung aus. Für die Teilnahme von Einzelpersonen an offen ausgeschriebenen Reihen, wenden Sie sich bitte an die Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog.

Philosophieren und Nachhaltigkeit

In einer weiteren Fortbildungsreihe verbinde ich das Philosophieren mit Zukunftsfragen und Themen der Nachhaltigekeit. Wie auch das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus und die UNESCO empfehlen, ist das Philosophieren eine geeignete Methode, um Kinder und Jugendliche für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren. Das Philosophieren hat dabei den großen Vorteil, dass es durch die proaktive Einbindung der Kinder einen selbstgesteuerten Zugang ohne Zukunftsängsten und erhobenen Zeigefinger ermöglicht. Diese Reihe, an der ich auch als Entwickler und Trainer mitwirken konnte, entstand im Rahmen der UN-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung aus einer Zusammenarbeit der Akademie für Philosophische Bildung und WerteDialog mit der Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung der BMW AG (Heute BMW Foundation Herbert Quandt).

 

2018 wurde diese Maßnahme mit dem Zertifikat Umweltbildung.Bayern ausgezeichnet. Als Trainer durfte ich diesen Ansatz bereits in viele Bereiche der schulischen und außerschulischen Bildung tragen und bin überzeugt davon, das das Philosophieren über Themen der Nachhaltigkeit unverzichtbar ist für alle Bereiche der Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung (BNE).

 

Zugänge zur Systematik und Geschichte der Philosophie

Seit 2011 halte ich gemeinsam mit Benjamin Schröer die Reihe “Orientierungswissen Philosophie – Zugänge zur Systematik und Geschichte der Philosophie”. In dieser, aktuell sieben Tagesmodule umfassenden Reihe erschließen sich die Teilnehmer auf spielerisch-philosophische Weise das “Land der Philosophie”

Originaltexte, philosophische Runden, kreative Spiele und das Einüben philosophischer Denkwerkzeuge ermöglichen einen unbeschwerten Zugang zu den Irrungen und Wirrungen der Philosophie. Die Reihe zielt dabei nicht auf flächendeckendes Fachwissen, sondern darauf, durch eine Orientierung in der Systematik und eine Schulung in den Methoden Lust an der – oft als verstaubt erlebten – Philosophie zu wecken. Diese Reihe, bzw. einzelne Module können auch für Teams gebucht werden.

 

Für Anfragen zu einem Seminaren / Fortbildungen schreiben Sie mir bitte einfach eine Nachricht über das Kontaktformular.

Als Trainer durfte ich diesen Ansatz bereits in viele Bereiche der schulischen und außerschulischen Bildung tragen und bin überzeugt davon, das das Philosophieren über Themen der Nachhaltigkeit unverzichtbar ist für alle Bereiche BNE.Save